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FIRMENSTRUKTUR

 

 

 

GESCHÄFTSPHILOSOPHIE

 

Wohnen Neubau
Baustruktur und räumliche Freiheit

Die Baustruktur als ein Aspekt aus der Vielschichtigkeit unserer architektonischen Arbeit war uns für eine Reihe von Wohnbauprojekten der letzten 5 Jahre wichtig. Auf vorgefundene und selbstgemachte Bedingungen reagierend, versuchen wir das Thema im Entwurf für Wohnbauten einzusetzen.
Ausgehend von diversen Umbauten und der Analyse deren Baustruktur haben wir  immer neue Aspekte und Qualitäten von klaren Tragstrukturen entdeckt. Die Erfahrung, welche wir dabei immer wieder gemacht haben, scheint uns entscheidend:
Wenn die Baustruktur einer klaren Ordnung unterliegt, gelingt es uns Architekten immer wieder, interessante neue Räume und räumliche Beziehungen zu organisieren. Die Umnutzung von ehemalig gewerblich genutzten Räumlichkeiten ist daher so spannend, weil diese Gebäude klar strukturiert sind und sich innerhalb dieser Spielregeln ein grosser Reichtum an Möglichkeiten eröffnet. Ebenfalls eignen sich geordnete und intelligente Strukturen in Wohnbauten an, um den heutigen Raumbedürfnissen gerecht zu werden; auch um Nutzungsfreiheiten möglichst lange offen zu halten und andrerseits zukünftige Änderungen nicht auszuschliessen. Diese Konzepte erlauben die Mitgestaltung der Bauherren und Nutzer innerhalb einer klar definierten Grundordnung. Es zeigt sich, dass das Einhalten dieser strukturellen Ordnung die räumlichen Möglichkeiten eher bereichert als einschränkt.
Wichtig ist dabei festzustellen, dass Baustruktur nur im Zusammenspiel mit allen anderen Entwurfsparametern kohärent entwickelt werden kann. Diese Entwurfsparameter sind im wesentlichen:
Ort - Geschichte / Topographie – Orientierung / Hierarchien – Prägnanz – Einordnung / Baukörper – Raum – Urbanität / Natürliches Licht – Beleuchtung / Benutzer – Nutzungen – Gesetze / Bautechnik – Energiefragen / Räumliche Beziehungen – Erschliessungen / Materialien –Oberflächen – Texturen. Alle stehen sie zueinander in Wechselbeziehungen und bedingen sich gegenseitig. Je nach Projekt erfahren sie unterschiedliche Gewichtungen und alle sind sie die Instrumente, die uns helfen, den Entwurfsprozess zu steuern und das Projekt seinem Optimum näher zu bringen.
Als Optimum steht die Grundidee, zu Beginn der Arbeit oft sehr wage, während der Arbeit durch äussere und innere Einflüsse oft gefährdet und am Schluss, so hoffen wir, ein Beitrag zur gebauten Umwelt.


Tragstruktur und Städtebau
Immer ist die Suche nach einer ‘klugen‘ Tragstruktur bei der Entwicklung unserer Wohnbauprojekte von zentraler Bedeutung.
Aus der städtebaulichen Analyse ziehen wir Schlüsse für die Volumetrie des Gebäudes aber auch zu den Fragen von Öffentlichkeit und Privatsphäre. So werden Eingänge, Sockelgeschosse aber auch die Orientierung der Räume, die Lage der Nassräume und Versorgungsschächte zu bestimmenden Einflüssen, welche in den Planungsprozess der Tragstruktur integriert werden müssen.
Aus Überlegungen, dass der nachhaltige Wert eines Gebäudes in grossem Masse von seiner zukünftigen Brauchbarkeit abhängt und sich wertvolle Materialien nur so rechtfertigen lassen, suchen wir nach grösstmöglicher Freiheit der Raumgestaltung innerhalb einer Tragstruktur. Nutzungsmässige Veränderungen können dadurch ohne substanzielle Veränderungen in ein Gebäudevolumen und deren Tragstruktur integriert werden.
Basierend auf diesem Prinzip werden alle Einbauten als sekundäres System verstanden, welches keine statischen oder versorgungs-technischen Aufgaben übernimmt. Dies garantiert die Werterhaltung des Gebäudes weit über die momentane Nutzung hinaus auch als Konstante im städtebaulichen Kontext.


Wohnen Umbau
Vernünftiger Umgang mit bestehender Bausubstanz
Bei einer Umbauaufgabe versuchen wir das, durch die Baustruktur gegebene Potential eines Wohnhauses zu erkennen und dieses mit neuen klaren Eingriffen gezielt hervorzuheben und zu verbessern.
Dabei achten wir darauf, die Neubauteile verträglich mit der bestehenden Architektursprache einzusetzen, dennoch können sie klar lesbar bleiben. In der Regel wird demnach die Baustruktur als solche erhalten, die technischen Notwendigkeiten aber dem Stand der heutigen Technik angepasst. Dies bedeutet, dass vor allem die gesamte Haustechnik wie Elektro-, Heizung- und Sanitärinstallationen samt Bädern und Küchen erneuert werden.
Oft bildet das unausgebaute Dachgeschoss ein zusätzliches Potential an Wohnraum, welches man mit der oberen Geschosswohnung zu einer Maisonettewohnung zusammenlegen kann. In diesem Zusammenhang wird auch das gesamte Dach erneuert und isoliert.


Individualität und öffentlicher Anspruch
Zu Beginn eines Umbauvorhabens stehen sowohl die Interpretation der Bauaufgabe, als auch die Untersuchung der bestehenden Bausubstanz.
Bei Bauaufgabe und Raumprogramm geht es um die Frage, welche Anforderungen wie streng definiert sind. Eine Befreiung von vorgefertigten Meinungen gibt dem Entwerfer erst die Möglichkeit, sein Projekt auf die vorhandene Baustruktur abzustimmen und darüber hinaus interessante, aussergewöhnliche Ansätze für das Umbauprojekt zu gewinnen.
Die bestehende Bausubstanz ist auf ihren baulichen Zustand und ihre strukturelle Eignung hin zu prüfen. Oft spielen jedoch auch baurechtliche  und kulturelle Fragen eine grosse Rolle: Kann mit einem Neubau unter den aktuellen Baugesetzen überhaupt das gewünschte Raumprogramm realisiert werden? Wie verhält sich ein Gebäude zur Nachbarschaft, ist es Teil eines Ensembles oder vermag es kulturelle Werte zu vermitteln, z.B. als Ort kollektiver Erinnerung?
Nicht immer ist ein Umbau kostengünstiger als ein Neubau. In die Gesamtbetrachtung ist jedoch neben der wirtschaftlichen auch die kulturelle Nachhaltigkeit miteinzubeziehen. Das heisst die Bauherrschaft muss manchmal bereit sein, kurzfristige Renditen einer anhaltenden Wertigkeit unterzuordnen.
Die Ansprüche an Komfort sowie an Technik sind bei Umbauten nahezu gleich wie bei Neubauten. Darüber hinaus bieten sie aber die Möglichkeit, aus der vorhandenen Bausubstanz einzigartige räumliche Lösungen zu entwickeln.


Dienstleistung / Gewerbe
Identifikation mit Arbeit und Arbeitsplatz
Die „Gestaltung“ von Arbeitsplätzen ist eine besondere Herausforderung.
Während bei Wohnbauprojekten davon ausgegangen werden kann, dass die Nutzer eine gewisse Freiheit bei der Wahl ihres Domizils haben, sei es als Mieter oder als Eigentümer ist die baulich-räumliche Situation beim Arbeitsplatz in der Regel vorgegeben. Mit der Wahl einer Arbeitsstelle akzeptiert der Arbeitnehmer die räumliche Voraussetzung, welche stark durch seinen Arbeitgeber geprägt sind („corporate idendity“, Betriebsstrukturen, Produktionsabläufe, Hierarchien etc.).
Wir gehen jedoch davon aus, dass die Philosophien des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers sich nahe stehen, ansonsten sie nicht zusammenarbeiten könnten.
Dieser Identifikation mit den Zielen des Betriebs versuchen wir ein Gesicht zu geben, das heisst die visuelle Identität des Arbeitsplatzes soll klar sein und als solche emotional eindeutig dem Betrieb zugeordnet werden. Innnerhalb eines meist stark determinierten Umfelds helfen uns oft auch die Oberflächenmaterialien, die Farben, die Lichtführung - künstlich und natürlich - sowie klare Formen, die Räume zu prägen.
Auch die Entwicklung der Baustrukturen folgt einerseits möglichst optimal den Bedürfnissen des Betriebs und will aber gleichzeitig zukünftigen Veränderungen gegenüber offen bleiben.
Veränderungen im Bereich der Arbeitswelt treten meist schneller ein und sind oft einschneidender als im Bereich des Wohnens.


Dynamische Prozesse und Entwicklungspotenzial
Im Gegensatz zum Wohnungsbau, wo Konstanz und Vertrautheit als Qualität begrüsst werden, sind beim Bau von Arbeits- und Produktionsstätten Veränderbarkeit, Anpassungsfähigkeit, Erweiterbarkeit und Umstrukturierbarkeit die beherrschenden Anforderungen. Nicht selten führt dieses Bewusstsein der Kurzlebigkeit zu den lieblos erstellten Bauten, wie wir sie aus den neu erschlossenen Gewerbegebieten der Agglomeration kennen.
Um dieser Tendenz begegnen zu können, braucht der Planer starke Argumente. Die architektonischen sowie städtebaulichen Anliegen durchsetzen zu können bedeutet, sich mit den organisatorischen und logistischen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Wir suchen Lösungen, welche in einem übergeordneten Sinn nachhaltig sind. So werden Erschliessung, An- und Auslieferung, Flexibilität in den Arbeitsabläufen oder Arbeitsformen zu gewichtigen Aspekten, welche uns ermöglichen vernünftige Strukturen (Trag- und Raumstrukturen) zu entwerfen, die auch längerfristig gut genutzt werden können. Die daraus resultierenden längeren Abschreibungszyklen ermöglichen nachhaltigere Investitionen und mehr Permanenz in Architektur und Städtebau.
Wir sind überzeugt, dass die baulich räumliche Permanenz der Identität eines Betriebes dienlich ist und die Identifikation der Mitarbeitenden mit der Firma stärkt. Aktuelle Beispiele von neugeplanten Arbeitsstätten zeigen, dass auch die Firmenleitungen verstärkt in diese Richtung denken.


Wettbewerbe / Studienaufträge
Interpretation einer Bau- oder Umbauaufgabe
Nebst den primären städtebaulichen Fragen ist die Entwicklung einer guten Baustruktur, welche allen relevanten Ansprüchen eines Bauherrn oder Auslober des Wettbewerbs gerecht wird, eines unserer wichtigsten Anliegen und erfordert einen grossen Arbeitsaufwand beim Entwurf. Nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten ist es wichtig, Gebäude klar zu strukturieren: Gebäude, welche später auch sinnvoll umgenutzt werden können, haben eine längere Lebensdauer.
Die Baustruktur darf aber nicht nur sich selbst genügen, sondern muss mit den anderen Anforderungen wie stätdtebauliche Aspekte des Ortes, Orientierung, Lärm, Lichtführung, Ökonomie des Projektes etc. im Einklang stehen.
Energiekonzepte und Ansprüche der gesamten Haustechnik haben oft grossen Einfluss auf die Baustruktur. Je früher diese bekannt sind umso besser können sie in die Entwurfsarbeit einfliessen.
Eine klar entwickelte und umgesetzte Baustruktur schlägt sich auch in den Baukosten nieder. Aspekte der Baukonstruktion, Spannweiten von Bauteilen, Wiederholung von Bauabläufen, Minimierung von Elementen etc. führen zu kostenoptimierten Lösungen.
In diesem Sinne sind Wettbewerbe und Studien auch unser „Labor“, in welchem wir Strukturen erforschen, testen und weiterentwickeln können. Diese Erfahrungen fliessen wiederum in den Entwürfen unserer laufenden Arbeit ein. Wir erachten deshalb die Teilnahme an Wettbewerben als eine wichtige „Weiterbildung“ im Büroalltag.


Intellektueller Freiraum und angewandte Forschung
Wettbewerbe erlauben uns, Projekte in grosser Unabhängigkeit zu entwickeln. Der Spielraum innerhalb der im Wettbewerbsprogramm formulierten Rahmenbedingungen ist in der Regel gross. Die Kommunikation mit dem Auftraggeber beschränkt sich meist auf eine  Besichtigung und eine anonyme Fragenstellung.
Dementsprechend kommt der Interpretation äusserst grosse Bedeutung zu, sie wird nicht selten zur eigentlichen präzisen Aufgabenstellung und tritt an die Stelle der Auseinandersetzung mit dem Auftraggeber.
Nicht dass wir den Kontakt und den Prozess der Präzisierung mit der Bauherrschaft scheuen würden, aber im Sinne der eigenen Forschung und Entwicklung ist es wichtig, sich Arbeitsbereiche zu schaffen, in welchen in erster Linie architektonische Regeln, Werte oder Erkenntnisse unser Schaffen prägen. Dabei handelt es sich durchaus auch um sehr praktische Aspekte wie z.B. Fragen zur Tragstruktur und Bauphysik, aber natürlich auch zu Städtebau, Topografie, Soziologie, welche uns neue Wege zur Gestaltung des Ganzen wie des Details aufzeigen können.
Selbstverständlich treten wir an mit dem Ziel, den Wettbewerb zu gewinnen und das Projekt zu realisieren. So oder so fliessen jedoch die Erkenntnisse aus diesem Labor in übersetzter Form in unsere tägliche Arbeit ein und befruchten auch die konstruktiven Auseinandersetzungen mit den Auftraggebern, deren Engagement wir in den Auftragsverhältnissen begrüssen. Auf diese Weise finden die äusseren wie auch die inneren Parameter des architektonischen Schaffens auf spannende Art einen Kräfteausgleich.